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Samstag, 24. Februar 2024

Umzug in ein neues Leben

Lange Zeit ist es wieder sehr still hier geworden. Ab und zu hatte ich den Drang, etwas zu schreiben, aber es hielt nie lange an. Ich kämpfe immer noch mit Schreib- und Leseblockaden – in Jahr sieben.

Seit acht Jahren habe ich keinen Roman mehr zu Papier gebracht und insgesamt zwei Kurzgeschichten, wovon eine veröffentlicht wurde. Aber es hat sich viel ergeben. Zwar nicht schriftstellerisch, aber in meinem Leben.

Eine große Veränderung 2023 war, dass ich eine Traumatherapie beginnen konnte … und nach fünf Tagen entlassen werden musste, weil ich mich auf der Station mit Covid-19 infiziert hatte. Nach fünf Tagen Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit, durchschwitzen sämtlicher Bettwäsche hatte ich kaum noch Symptome, positiv war ich für insgesamt elf Tage. Und mir war sterbenslangweilig. Ich war allein mit meinen Katzen (wobei ich davon ausgehe, dass sich meine elfjährige Amy bei mir infiziert hat), konnte keinen Kontakt von Angesicht zu Angesicht mit anderen Menschen haben und fühlte mich einsam und allein.

Nach meiner Genesung meldete ich mich bei einer Dating-App an, um dem Einsamkeitsgefühl zumindest irgendwie zu entfliehen. Ich lernte Menschen kennen, darunter auch Tobi, der jetzt seit einigen Monaten mein fester Freund ist. Uns war nach anfänglicher Freundschaft ziemlich schnell klar, dass wir uns ineinander verliebten. Da er ca. 1,5 Autostunden entfernt wohnte und ich selbst nicht mobil war, beschlossen wir, verliebt-dumm wie wir waren/sind, dass wir zusammenziehen wollen. Wir fingen an nach Wohnungen zu suchen und fanden auch bald einige, die recht passabel wirkten. Dass es inzwischen fast unmöglich ist, eine vernünftige Wohnung zu einem ebenso vernünftigen Preis zu finden, muss ich eigentlich niemandem sagen, oder?

Während ich also (erneut) meinen ersten vollständigen Block der Traumatherapie im September 2023 begann, suchten wir zeitgleich nach Wohnungen. Ich hatte zwar eine Zwei-Zimmer-Wohnung hier in meiner Stadt, aber Tobi hat aus seiner vorigen Ehe zwei Kinder, die ihn regelmäßig auch über mehrere Wochen besuchen. Also reichte meine alte Wohnung natürlich nicht. Auch wollte ich gern in meiner Stadt bleiben, nicht nur wegen der Nähe zu meiner Familie und Freunden, sondern auch wegen meiner medizinischen Anbindung. Ich benötige in regelmäßigen Abständen diverse Fachärzt*innen und auch hier muss ich niemandem sagen, wie schwer es ist, Psychiater*innen, Therapeut*innen, Neurolog*innen oder ambulante Betreuung zu finden, oder? Nur mal so: Ich habe inzwischen ein diagnostiziertes Kubitaltunnelsyndrom. Klingt wild, ja. Ist aber lediglich eine Verengung des Nervenkanals am Ellbogen. Durch die Verengung werden der Klein- bis Mittelfinger taub und die Arme und Hände krampfen (und ich hab natürlich den 33%-Bonus, dass ich es in beiden Armen habe). Nachdem ich im Oktober die Diagnose bekam, suchte ich sofort nach einem Neurologen, der mich in meiner Stadt behandeln konnte – und bekam einen Termin im Juni ´24. Inzwischen sind zwei Fingerkuppen dauerhaft taub und das Karpaltunnelsyndrom (Einengung des Nervenkanals am Handgelenk) ist auch noch dazugekommen. Aber hey, nur noch 4 Monate, ehe ich einen Facharzt dafür sehe, der nochmal meine Nervenleitung messen wird, um mir die Diagnose nochmal zu stellen, nur um dann gesagt zu bekommen: entweder konservative Therapie (Arm- und Handgelenkschiene) oder Operation. Wären die Schienen dafür nicht so mistig teuer, hätte ich mir längst welche geholt.

Eben aus diesen Gründen (bei manchen Fachärzt*innen wartet man 1,5-2 Jahre auf einen Termin) haben Tobi und ich uns entschieden, hier in meiner Stadt zusammenzuwohnen.

Als wir unsere Traumwohnung besichtigten, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass wir sie auch tatsächlich eine Woche später zugesagt bekommen.

Der Umzug fand im Januar diesen Jahres statt (und er war für mich eine absolute Katastrophe). Ohne meine fleißigen Freunde und Familie (und natürlich Tobi) hätte ich dieses Chaos nicht überstanden. Psychisch konnte man mich zu dem Zeitpunkt eh in die Tonne treten, körperlich kann man es jetzt. Wir wohnen jetzt seit 4 Wochen hier. Und hier sitze ich und schreibe zum ersten Mal seit langer Zeit.

Der Abschied von meiner alten Wohnung fiel mir sehr schwer. 14 Jahre habe ich dort gewohnt, gelebt, gelacht, getrauert … alles.

Jetzt wohne ich im 7. Stock eines Hochhauses, habe einen wunderbaren Ausblick über meine Stadt, eine Waschmaschine, die direkt in der Wohnung steht und nicht im Waschkeller, einen großen Balkon, ein Büro, Tobis Kids haben ihr eigenes Zimmer, es gibt moderne Strom-, Wärme- und Wasserleitungen, neutrale Fliesen in Küche und Bad und sogar ein Gäste-WC.

Dazu gabs noch Tobis Katze Molly! Also bin ich inzwischen die Crazy-Cat-Lady mit 4 Katzen.

Meine Flauschis haben den Umzug mehr oder weniger gut überstanden. Odin weiß noch nichts wirklich mit sich anzufangen, ihm ist oft langweilig und er maunzt uns voll. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das mit der Zeit geben wird.

Auch habe ich noch drei weitere Romanideen im Kopf entwickelt und ich möchte sie so unbedingt schreiben.

Dazu hat mein Schwesterherz Maria Walenta letztes Jahr eine Romanreihe im Genre der Dark Romance geschrieben – und einen Verlag gefunden. Dieses Jahr wird ihre Reihe erscheinen und ich könnte nicht stolzer sein. Weitere Infos folgen natürlich, sobald es welche gibt. Meine Reaktion sah in etwa so aus, als sie mir vom Verlagsvertrag berichtete:

Und seit einigen Tagen bin ich sogar leibliche Tante, denn mein jüngerer Bruder ist nun stolzer Papa eines Sohns. Es wird zwar noch dauern, ehe ich meinen Neffen irgendwann wirklich mal sehen werde, aber ich hoffe, es wird mir gelingen (Bruder wohnt doch etwas weiter weg).

Reaktion hierzu? 

Ich kann gar nicht sagen, wie viel Kraft mich dieser Umzug gekostet hat. Und wie wichtig und richtig er war. Scheinbar war es von essentieller Bedeutung für meine eigene Genesung, dass ich meine alte Wohnung und viele Geschichten mit ihr hinter mir lasse.

Hier geht es mir viel besser. Natürlich fühle ich mich nicht mehr oft einsam, da ich Tobi an meiner Seite habe. Aber ich genieße das Alleinsein ebenso. So wie auch Zeit mit Freunden und Familie, die ich jetzt fast alle selbstständig besuchen kann. Der Haushalt ist keine Bürde mehr, ich mache ihn gerne.

Natürlich hat noch nicht alles hier seinen endgültigen Platz gefunden. Aber es formt sich immer mehr.

Und ich bin dankbar für diese Erfahrungen.

Für die Traumatherapie. Ja, sogar für meine Covid-Infektion und die daraus resultierende Einsamkeit, die mich dazu brachte, mich bei der App anzumelden, bei der ich Tobi kennen lernte, der genauso verrückt wie ich war, mit mir zusammenzuziehen. Denn jetzt sitze ich hier und schreibe.

 


 

Mittwoch, 5. August 2020

Das Gefühl von "Phönix aus der Asche"



Es ist so weit. Lange habe ich gewartet, diesen Post verfassen zu können.

2017 ging es für mich richtig bergab. Ich schaffte mein Lektoratspensum nicht mehr, musste zwei Anthologien als Herausgeberin abgeben, Manuskripte ablehnen und irgendwann war ich dann auch nicht mehr gefragt. Das ist inzwischen echt okay, hat damals aber sehr an meinem Selbstwert und meinem Selbstvertrauen genagt.
Zusätzlich trennten mein langjähriger Partner und ich uns; zwei Freunde gaben nur vor, Freunde zu sein und das zog mich nach und nach immer mehr in Mitleidenschaft. Mir ging es richtig, richtig schlecht.
Ich besuchte Ärzte und Therapeuten, um aus dem Loch herauszukommen. Meine Schwester und mein Ziehbruder wohnten eine Zeit lang bei mir, doch auf Dauer funktionierte das auch nicht für mich (meine Schwester ist recht jung und braucht selbst noch Unterstützung).
Ich versuchte immer wieder zu schreiben, aber es funktionierte einfach nicht mehr. Vor allem wegen einer Sache: Ich vertraute mir selbst nicht mehr.

Dazu dann die Sache mit Verlag Beta und ich war vollkommen verunsichert. So tingelte 2018 an und vorbei, ohne dass ich wirklich etwas geschrieben hatte, obwohl ich es so gerne wollte, so viele Ideen und ausgearbeitete Konzepte hier hatte, die ich immer wieder auf ihre Funktionalität abklopfte.

2019 - das Gleiche in grün. Die Sache mit Verlag Beta schaukelte sich bei allen hoch, allein die Themen anderer Autoren zu lesen, ermüdete mich. Meine Urgroßmutter verstarb mit 107 Jahren im Schlaf. Es hatte sich lange angekündigt, ich schaffte es wegen meiner Angst-Panik-Störung nicht mehr an ihr Sterbebett.

Auch hier folgten wieder Ärzte und Therapeuten und ganz viele liebe Menschen, die ich sowohl 2018 als auch 2019 kennen lernte, und die mir teilweise bis heute Rückenwind geben (ja, Mirja, Tanja, Martina, Melli, Valli und Franzi, ich meine euch!). Ganz unerwähnt möchte ich an dieser Stelle auch nicht meine Schwester Kim, meine Ziehschwester Melli sowie meinen besten Freund Alex lassen oder meine Familie oder meine zauberhafte Freundin Dani, usw, usf, lassen, weil das die Menschen sind, die mir immer beistehen. Ich danke euch allen. Jeden Tag, für immer. (Okay, klingt, als hätte ich den Literaturnobelpreis gewonnen, aber so spektakulär isses dann doch nicht. Aber ein Danke mal so generell für alles, was sie tun, sollte dennoch nicht zu selten folgen, finde ich.)




2020 kam. Und wir alle sind uns einig: Das ist ein beschissenes Jahr, oder? Ja.
Doch etwas Gutes hat es für mich auch. Denn es ist das Jahr, in dem ich das erste Mal seit Langem wieder richtig schrieb.
Ich habe an einer Kurzgeschichtenausschreibung teilgenommen. Von einem Verlag, den ich kenne. Dem ich vertraue.
Ich habe mich hingesetzt, eine Idee entwickelt und sie aufgeschrieben. Ich habe sie überarbeitet, sehr gründlich sogar. Immer gegen den Drang an, alles hinzuschmeißen. Immer mit den Dramen von 2017 im Kopf, mit dem Selbstzweifel von 3 ganzen Jahren (und den Rest von circa 30 Jahren). Ich habe mein bisschen Selbstvertrauen, das ich mir wieder erarbeitet habe, gegen die Erfahrung mit Verlag Alpha und Beta gestemmt. Den Selbstwert als Schild gegen meine eigenen Zweifel gesetzt und weitergeschrieben.

Mit dem Schmerz durch den Verlust meiner Uroma in mir, mit der Verarbeitung der Trennung vom Lebenspartner, mit allem, was weiterhin wehtat oder bis heute wehtut. Mit all der Toxizität, die ich mir selbst biete.
Und ich habe sie betalesen lassen und an den Verlag geschickt.
Nach all den Monaten, in denen ich einfach ignorierte, dass ich eine Kurzgeschichte eingereicht habe (die Geschichten werden anonymisiert gelesen, also kann ich sichergehen, dass ich keinen "Die Autorin kenne ich, die nehme ich automatisch auf"-Bonus hatte), erreichte mich letzte Woche die freudige Nachricht, dass ich es mit meiner Geschichte in die Anthologie geschafft habe. Ich habe eine Zusage.

Ganz vielleicht habe ich 3 Stunden lang vor Glück immer wieder losweinen müssen.



Denn nach allem, was seit 2017 passiert ist, ist das schriftstellerisch gesehen die beste Nachricht, die ich seitdem bekommen habe. Sogar ein bisschen lebenstechnisch. Denn 3 Jahre lang hatte ich wenig, worauf ich wirklich stolz war. Doch für diese Geschichte habe ich gekämpft. Ich habe mich richtig reingehängt und eine Zusage bekommen.
Ich kann es also noch.
Und wenn es einmal geklappt hat, klappt es auch wieder, oder? Ja.

Welche Sammlung das ist und bei welchem Verlag? Das verrate ich erst, wenn die Verträge unterschrieben sind. Ich bin da ein bisschen abergläubisch und möchte nichts beschreien. Aber ihr werdet davon hören :). 

Samstag, 27. Juni 2020

Bestandsaufnahme á la Julia Engelmann

Was ich hab


- Ich habe sooo viele Geschichten zu erzählen, so viele Ideen, so viel vorgearbeitet, recherchiert, geschrieben, überarbeitet.

- Ich hab das passende Arbeitsmaterial in Form von gut funktionierendem und angenehm drauf zu schreibenden Laptop da.

- Ich hab Zeit (meistens).

- Tagträume (und manchmal auch Nachtträume ;)), die mich in meine selbst ausgedachten Welten entführen.

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Was ich hab, aber nicht will


- Zweifel. An mir und dem Schreiben. Ist es das, was ich für immer will? Meistens ja, manchmal nein. 

- Absolute Ideenlosigkeit (ob vorgeplottet oder nicht, ob grobe Idee oder stark skizziert, ganz gleich), was ich schreiben soll, wenn ich Lust dazu habe.

- Sonderprobleme aus der Vergangenheit, die mir im Nacken sitzen. Größtenteils privat und die bedürfen meiner Energie mehr. Aber auch beruflich. Schreiben? Ja. Erfolg damit und irgendwann davon leben? Nein. Warum nicht? 

- Selbstzweifel. Frei nach: Ich gerate bestimmt wieder an so einen komischen Hansel von Verleger. Ich kann nicht richtig einschätzen, wer es ernst mit mir als Autorin und mit dem Manuskript meint, das ich abliefere. Niemand will lesen, was ich schreibe (was nicht stimmt). Ich bringe eh nichts Gehaltvolles zustande (Okay, jetzt wird's weird).

- Anerkennung für geleistete Romane. Klingt komisch? Ja, ich weiß. Wenn man aber alle Romane, die man bislang veröffentlicht hat, wieder aus dem Verkehr ziehen muss (Purlunas 1, weil mit dem Verleger verkracht; Grenzenlos, weil ich stehe nicht mehr hinter dem, was ich geschrieben habe; Lexi Littera 1-3 und Brautsee befinden sich noch im anwaltlichen Kampf, dass sie nicht weiter vom Verlag verkauft werden, der mich wiederum seit Jahren nicht bezahlt), kann man das "Wenigstens hast du etwas geschaffen, das nach dir bleiben wird" oder "Wow, du bist ja echt ne richtige Autorin!" oder auch "Ich finde deine Romane voll toll" irgendwie zur Qual. <-- (Beweis: Schachtelsätze kann ich mega gut! XD)

- Hang zum schnellen Eskapismus. Ich will raus hier. Das geht am Einfachsten, wenn ich mich forttragen lasse und dafür bei Ideenlosigkeit nix tun muss.

- Depressionen und andere quirlige Kleinigkeiten. Die machen den Alltag auch nicht leichter und manchmal zum puren Überlebenskampf. (Siehe Eskapismus)

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Was ich nicht hab


- Disziplin. Zumindest nicht beim Schreiben. Ich bin leicht ablenkbar, schnell überfordert mit meiner Umgebung und kann mich schwer konzentrieren. Zwischenmenschliche Kontakte ziehen die Energie komplett aus mir heraus, sodass ich oft schlafen muss, obwohl ich gerne etwas ganz anderes tun wollen würde (demnächst folgt ein Arzttermin, der dann mal rausfinden soll, ob die Schilddrüse vielleicht auch der Übeltäter sein könnte).

- Begeisterung aka Motivation. Wozu schreibe ich? Die uralte Frage, die sich die meiste Autoren irgendwann stellen. Im Idealfall: Für mich. Mag ich meine Ideen? Und wie! Denke ich, dass sie irgendjemanden etwas nutzen? Keine Ahnung. Wieso muss alles einen Nutzen haben? Und dann bin ich da verknüpft mit der:

- Anerkennung. Ich habe ein Problem auf vielen Ebenen damit. Zuerst einmal ist mein Gehirn getrimmt auf "Ich mach das mal und dann ist das gut". Ist es das nicht, verliere ich die Motivation. Lange für etwas arbeiten müssen, ja, das kann ich. Aber das ist aktuell nicht das, was ich brauche (und ich glaube, da liegt der Knackpunkt). Dann Anerkennung von außen zulassen. Wie geht das? Keine Ahnung. Ich arbeite aber daran. Aber es liegt auch ein bisschen daran (und ich hasse es, das festgestellt zu haben), dass ich relativ wenig Anerkennung bekomme. Ich habe maximal zwei bis drei Personen, die meine Geschichten unbedingt lesen wollen. Okay, an sich habe ich überhaupt jemanden, der sie lesen möchte, das ist schön! Aber ... ich glaube, das reicht mir nicht. Und ich brauche nicht nur Testleser, ich brauche Betaleser, Menschen, die mich besser machen, in dem, was ich gerne tue, die nachfragen, die Interesse auch an mir haben. Tatsächlich ist das etwas, das mir sehr fehlt und mich auch hemmt. Nächster Punkt: Sich selbst Anerkennung zollen. Öhm, ja. Ich werde besser darin, sagen wir es so :).

And last but not least:

- Zeit. Moment mal, hab ich nicht oben geschrieben, dass ich Zeit habe? Ja. Hab ich. Und wiederum hab ich sie auch nicht. Denn wer so verwebt ist mit seinem Weg aus der Depression, der ganzen Angstschei*e, den Selbstzweifeln, der Überforderung, dem Drang zu entfliehen und in irgendwas einfach so mal gut genug für sich selbst zu sein, der hat keine Kraft, Zeit, Energie für irgendwas anderes.

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Manche Unkenrufe höre ich auch jetzt schon. Baaah, stell dich nicht so an! So schwer ist das Leben nicht. Du musst mal öfter rausgehen, hat mir immer gut geholfen. Mal mit Sport probiert? Die Ernährung ist bestimmt schuld. Denk einfach mal nur an die schönen Sachen. Tja, entweder man will etwas und tut es oder man tut es nicht, dann will man aber auch nicht.
Jaja, schon kapiert, das Leben ist leicht und schön und es gibt keinen Grund, sich mit Problemen ernsthaft auseinanderzuseten!

Nichtsdestotrotz hab ich Dinge auf meiner Haben-Seite, die das Nicht-Haben zwar nicht ausgleichen, aber da sind. Und trotz alledem sind sie immer noch da. Quälen mich manchmal, bereiten mir doch auch Freude und sind einfach anwesend. Und solange die noch existieren, gebe ich das Schreiben nicht dran. Mag da kommen, was will, ich träume weiter und arbeite auf die Zeit hin, in der ich sagen kann: Die Haben-Seite wiegt mehr. Und der Rest hat abgenommen. Ich kann wieder schreiben.

Freitag, 13. März 2020

Du schreibst falsch!


Hach, wie jung und naiv ich 2007 doch war. Ich kritzelte meine Figuren an den Rand des Collegeblocks, während ich in den Vorlesungen und Proseminaren der Uni saß. Dann begann ich zuhause, Geschichten zu ihnen zu erfinden, ihnen Charakter zu verleihen und es fühlte sich an, als käme es aus den unendlichen Weiten des Universums direkt zu mir geflogen. Alles passte, fügte sich, wurde anschließend noch ein bisschen passgenauer gemacht. Sechs Monate später blickte ich auf mein erstes Manuskript und war dermaßen stolz, dass ich vor Glück fast platzte. Ich hatte einen Roman geschrieben! Und noch besser: Es war der erste Teil von Fünfen!
Jetzt musste ich ihn nur noch Freunden schicken. Formatierte ihn unwissend in ein PDF und schon fühlte es sich an wie ein EBook (die damals noch nicht gängig waren, btw … Gott, bin ich alt).
Freunde gaben mir eine positive Resonanz. Hach, der Traum ging weiter. Ich schrieb bereits an Teil 2 und es fühlte sich noch passender an.

Dann trat ich in die Verlagsbranche ein.





Nicht so, wie man sich das als junger Naivling vorstellt. Ich dachte, ich schicke das mal an ein paar Verlage und irgendeiner wird zusagen, mein Talent erkennen und dann hab ich bald mein eigenes Hardcover in der Hand. Wunderschöne Vorstellung, oder? Ja. Zu schön, um wahr zu sein. Echt jetzt.
Durch Recherche im Netz kam ich dann auf den Trichter, doch eher eine Agentur zu benötigen. Die würde mich an die wirklich großen Verlage vermitteln können. Während ich also fleißig Teil 3 schrieb, keine Ahnung von Normseiten hatte, keine Ahnung von irgendwas überhaupt hatte, machte ich mich noch an einem anderen Werk zu schaffen, dass dann ein Einteiler werden sollte. Weil ne Buchreihe war nun mal schwer zu vermitteln, wie ich dem Netz entnahm.
Das Buch war schnell heruntergeschrieben, ich war so im Flow, das nichts und niemand mich stoppen konnte. Inzwischen war 2010 und ich suchte Agenturen wie verrückt.
Ein paar antworteten sogar. Auf andere warte ich heute noch. (Ich glaube langsam, die haben kein Interesse. 😉 ) Nachdem ich die schwarzen Schafe ausgemustert hatte (danke an die Autoren, Verleger und Agenturen, die mir beibrachten, was schwarze Schafe in der Branche sind!), war da keiner mehr, der mein Manuskript wollte.
Und ein paar hatten sehr nette Absagen verschickt. Die da lauteten ungefähr: »Leider wüssten wir für ihr Werk keinen passenden Verlag, aber melden Sie sich gerne, wenn sie etwas haben, das diesem und jenem Genre entspricht.« Wow, okay, das klang gut.
Dann waren da allerdings noch Absagen wie diese: »Setzen Sie sich bitte erst einmal mit dem Schreiben auseinander.« »Treten Sie Foren bei und gucken, was Ihre Kollegen machen.« »Sie können nicht schreiben.« »Sie vertauschen ständig die Perspektiven.«
Das tat weh. Sehr. Und brachte mich ins Wanken.
Ich überprüfte mein Manuskript auf all diese Aussagen. Gerade die letzte war ja etwas, das ich ändern könnte, allerdings fanden weder ich noch andere den Fehler in der letzten Aussage. Es brauchte viel Zuspruch von Freunden und Bekannten, ehe die Tränen über diese Aussagen getrocknet waren. So sollte mein glorreiches Schriftstellerdasein doch gar nicht enden. Ich wollte vom Schreiben leben!
Jaja, der junge Naivling. Die inzwischen über 30jährige blickt zurück und lächelt mild.
Ich machte ein Schreibstudium an einer Fernschule, schloss mit 1 ab. Es folgten noch mehr Absagen (normale, freundliche, wieder nicht sonderlich nette und auch gar keine, die ich dennoch jetzt mal als Absage werte). Es war niederschmetternd.
Dann sah ich: Oh, andere Autoren plotten. Wahrscheinlich mache ich das verkehrt. Ich schreibe falsch, klar! So kann ich das verbessern.
Ich plottete akribisch. Und hatte keine Lust mehr zu schreiben. Das war laaaaaaangweiliiiiiiig. Schreibflaute.
Lockerer plotten. Nur jedes Kapitel anreißen. Klar, klappt bestimmt. Klappte auch! Eine Zeit lang. Dann: Schreibflaute.
Tipps und Tricks von Kollegen währten leider nie lange, auch wenn ich immer dachte, ich hätte die Lösung gefunden.
Ich schrieb, schrieb, schrieb. Gegen jede Flaute an. Gegen jede Blockade. Veröffentlichte bei Verlagen, eine Kurzgeschichte nach der anderen ging in eine Anthologie ein. Verlage ließen mich fallen, etc (dazu die anderen Artikel lesen 😉), ich schrieb weiter. Holte mir Ideen und Motivation von anderen Kollegen.


2015 der Knall mit Verlag Alpha.
Ich schrieb weiter, als wäre nichts. Obwohl man über mich gesagt hatte, dass ich nie wieder ein Buch veröffentlichen würde – zumindest nicht in einem Verlag.
Dann 2018 der große Knall mit Verlag Beta.
Schreibblockade. Rien ne va plus.



Dann saß ich da mit meinem Talent. Derweil sah ich zu, wie meine Kollegen Kraft aus dem Schreiben schöpften, alles gaben, es ihnen scheinbar leicht fiel, wieder auf die Beine zu kommen oder nie gefallen waren. Die das Wort Blockade nicht kannten. Die nie eine Flaute hatten, ihre 10 Manuskripte im Jahr ablieferten.
Und ich stellte fest (11 quälende Jahre nach den Kritzeleien an meinem Collgeblockrand), dass ich nicht schreiben konnte. Dass es mir keinen Spaß mehr machte. Dass ich leer war, meine Ideen verbraucht und ich es nie schaffen würde.
Da ich chronisch krank zuhause festgebunden bin, war mein einziges Hobby, das ich zum Beruf machen wollte, dahin. Aus der Traum.
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Aber!
Wenn ich meine Herzensreihe noch einmal plotte …
Nein, das wurde nichts.
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Ich lasse los.
Es bringt nichts.
Es tut nur weh.
Ich will mich nicht länger so fühlen.
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2020
Ich hab gehäkelt. Eine ganze Decke in 4 Monaten. Ich hab meine Katze bei Wind beruhigt, mich um die tränenden Augen meines Katers gesorgt, Zeit mit dem alten Kaninchen verbracht.
Ich hab Freunde getroffen und geredet.
Überlegt, ob ich ins Coverdesign oder den Satz gehe (noch nie gemacht, wird super, ich junger Naivling, ich).
Viel über mich selbst herausgefunden.
Verstanden, wie ich funktioniere.
Abstand gewonnen, von Kollegen (die ich dennoch mag) und Verlagen (bei denen ich manche sehr gerne mag, andere wiederum gar nicht), mir inspirierende Kollegen gesucht (und gefunden), Onlinespiele mit meinem besten Freund gezockt, mit meiner Schwester Sam und Dean Winchester auf ihrer Reise begleitet, während wir kosmetische Gesichtsmasken trugen, mit meiner besten Freundin Kaffee wie ein Loch gesoffen, gleichzeitig lustige Videos geguckt und die Nägel lackiert (sie schwarz, ich irgendwas mit bunt und Glitzer), mit meiner Familie gegessen, bis mir schlecht war (Burger und Sushi sind das beste Food auf der Welt), Herr der Ringe zum xten Mal geguckt, Infinity War und Endgame hintereinander geguckt und geflennt wie ein Baby, neue Filme und Serien entdeckt, ausgemistet, für mich eingestanden und – nur ab und an einen vorsichtigen Blick in die Verlagswelt geworfen.
Das. War. Sowas. Von. Nötig.
Elsa hatte recht. Let it go.

Denn es gibt sie.




Die akribischen Planer
Die vorher genau alles plotten, weil sie dadurch Motivation im Schreibprozess erfahren und einfach einen Faden haben, an dem sie sich entlanghangeln. Sie sind irritiert von Plotholes und verfluchen Plotbunnies gerne. Aber sie zieren sich nicht, Kraft und Zeit ins Umplotten zu stecken, damit alles wieder richtig sitzt.

Die Inspirationsschreiber
Die nur dann schreiben können, wenn sie sich danach fühlen. Sonst geht nichts und alles fühlt sich madig an. Planen ist nicht ihr Ding im großen Sinne. Es muss ich einfach richtig anfühlen. Von zu viel Geplane fühlen sie sich eingeengt und dann geht das ganze Schreiben in eine Lustlosigkeit über.

Die Zerdenker
Die alles in ihre Einzelteile zerlegt haben müssen, damit sie den Absatz, die Seite, das Kapitel schreiben können, weil es sonst keinen Sinn für sie ergibt. Es muss nicht geplant, aber durchdacht sein, und sobald es nicht zerdacht ist, fühlt es sich falsch an.

Die Flowschreiber
Die drauflos schreiben und mit jedem Wort wacher und genügsamer werden, die unterwegs planen und Freude dabei empfinden. Jedoch brauchen sie eine gewisse Zeit, ehe sie in den Flow kommen, landen dort aber meist schneller als andere Schreiber.

Die Traumaschreiber
Die Sachen durch das Geschriebene in sich verarbeiten und dennoch einen Roman produzieren wollen. Viel Persönliches fließt dort hinein. Am Besten geht man sensibel mit dem Text um, denn zu harsche Kritik fühlt sich wie eine Kritik an der eigenen Person an.

Die Suchtschreiber
Hauptsache schreiben, egal was, egal wann, los, sie brauchen das. Ob in der Bahn oder dem Bus zum Brotjob, ob sie gerade unterwegs oder zuhause sind, im Bett oder am Esstisch, es muss geschrieben werden. Überarbeiten ist nicht so toll, fühlt sich stockend an, aber Schreiben ist geil.

Die Hochkonzentrierten
Die nur dann schreiben können, wenn absolute Ruhe um sie herrscht und die leicht aus dem Konzept zu bringen sind. Ablenkung ist der Todfeind, Geräusche zerstören die Stimmung, die sie jetzt nicht mehr richtig einfangen können. Gedanken zerfließen schnell, dafür ist das tatsächlich eingefangene von ihnen gefühlt gehaltvoller.

Die Kakophonieschreiber
Die ihre Umwelt komplett ausblenden können, egal, was um sie herum passiert, da sie in ihrem Text versinken. Alles ist vertraut, die Charaktere sind die eigene Schöpfung, die man selbst gern als beste Freunde hätte. Die Haltestelle wird gerne mal verpasst, andere Menschen und Gespräche spontan ausgeblendet, weil nun kam gerade eine Idee, die notiert werden muss,

Die Musicalschreiber
Die ohne Musik schlichtweg nicht schreiben können und einen gewissen Lärmpegel brauchen, um überhaupt loslegen zu können. Musik ist die Antwort auf jede Frage, die sich ums Schreiben dreht. Klappt nicht? Anderes Lied. Klappt nicht? Andere Band. Klappt nicht? Anderes Album. Klappt nicht? Es wird Zeit, das ein neues Musikgenre erfunden wird!

Und was es auch gibt, womit ich lange gehadert habe, weil ich es für mich selbst nicht erkennen wollte (danke, bester Freund 😊):

Nachteulen
Die am besten in der Nacht schreiben, wenn alles still ist, weil sie dann zur Ruhe kommen.

Morgenlerchen
Die am Besten schreiben, wenn der Kopf noch nicht zum Denken in der Lage ist.

Mittagsmöwen
Die ihre Inspiration dann kriegen, wenn sie Sonne am höchsten steht und die Serotoninzufuhr zunimmt.

Nachmittagsspatzen
Die ihre Wortkrumen am Besten aufpicken, wenn alles um sie herum in Feierabendstimmung verfällt.

Abendraben
Die nach dem Feierabend am Besten erstmal loslegen und schreiben, bis sie zu Abend essen (oder eben nach dem Abendessen schreiben), weil dann die Erlebnisse vom Tag besser verdaut werden können.

Die Rock-Around-The-Clock-Adler
Die einfach immer schreiben können, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Deren Konzentration sich eben immer auf das Manuskript richtet, ganz gleich, was um sie herum passiert.




Es gibt sie alle (und wahrscheinlich noch sooo viel mehr). Und sie vermischen sich ineinander. Manche sind Morgenlerchen und Abendraben, dazu Flowschreiber und Zerdenker. Andere sind sowohl Nachmittagsspatzen als auch Nachteulen, die gerne akribisch plotten, aber auch Inspiration brauchen, damit es richtig laufen kann.

Zu oft habe ich auch von Kollegen und Verlegern gehört, dass, wenn man wirklich professionell arbeiten will als Autor, nur Schema A oder B passt, sonst arbeitet man eben nicht professionell.
Da lege ich nun mein Veto ein.

Natürlich kann man seine Effizienz optimieren. Natürlich kann man andere Schemata probieren. Und selbstverständlich kann man sich als Schriftsteller wandeln. Die eigenen Bedürfnisse und Lebensumstände können dazu führen, dass man vom akribischen Planer zum Flowschreiber wird und umgekehrt. Von der Nachteule zur Morgenlerche.

Aber ich weiß auch für mich, dass mein Schreiben nicht funktioniert, wenn ich mich in ein Schema presse, das mir schlichtweg nicht passt. Und ich will das auch nicht mehr.
Ich vergleiche es gern mit einem Schuh oder einem Pullover, der nicht der eigenen Größe oder dem Körperumfang entspricht.
Ist der Schuh zu groß? Ich schwimme in einer dunklen Höhle, der Fuß ist angestrengt und ich fühle mich unwohl.
Pulli zu groß? Ich bin klein und versinke irgendwo in Stoff.
Schuh zu klein? Zehen tun weh, überall Druckstellen.
Pulli zu klein? Ich zupfe ständig überall an mir herum, damit er am Platz bleibt und ich passe scheinbar nicht zu diesem Pulli.



Es ist unnötig. Wenn es nicht passt, passt es eben nicht. Man muss sich nicht passend machen.
Genauso wenig wie ich meine Füße mal größer oder kleiner machen kann oder meinen Oberkörper zwingen kann, jetzt bitte schmaler zu werden oder zu wachsen. Stattdessen sage ich: Nein, der Schuh und der Pulli passen einfach nicht. Ich muss mir andere suchen, die mir entsprechen. Genauso wenig will ich mein Schreiben in eine Form pressen, die anderer Leute Meinung nach professionell ist.
Als Autorin will ich hauptsächlich eins: Schreiben. Und das will ich machen, wie es mir gut tut. Und nicht, wie es mich quält. Überarbeiten kann ich immer noch wie ne Professionelle 😉 oder ich hole mir Hilfe (die sich jeder allein schon wegen Betriebsblindheit holen sollte).

Lass los.




Kapitel 2 von Purlunas hat jetzt 18 Seiten. Innerhalb weniger Tage. Ich bin glücklich und höchst zufrieden. Ich habe sogar zwei Kurzgeschichten bei Verlagen eingereicht. So weit hab ich mich aus meinem Schneckenhaus herausgetraut. Jetzt verfasse ich diesen Artikel. Trotze all dem Rotz, der nach wie vor wegen Verlag Beta in mir vorgeht, versuche Alpha weiterhin zu verarbeiten, all die nicht sonderlich netten Absagen nicht an mich heranzulassen. Vielleicht stimmt es, was sie sagen. Vielleicht kann ich nicht schreiben. Vielleicht werde ich nie wieder veröffentlicht.
Na und?
Ich schreibe trotzdem.
Weil. Es. Mich. Glücklich. Macht.
Und wegen nichts anderem.

Sonntag, 10. November 2019

Schließt sich eine Tür ...

Ich hasse es, Projekte auf unbestimmte Zeit auf Eis zu legen. Doch jetzt ist es so weit. Und es geht um Purlunas.
Nachdem ich mich so mit diesem Thema herumplage, obwohl ich es so gern schreiben möchte - ich kann es nicht. Es macht mir keinen Spaß. Die Welt und alles drumherum stimmt, ist ebenmäßig aufgebaut. An sich bin ich mit dem Worldbuilding zufrieden, der Plot stimmt, die Charaktere ebenfalls. Aber sobald ich mich zum Schreiben heransetze, kämpfe ich nur noch. Und genau das möchte ich für meine Manuskripte nicht.
Nachdem ich Purlunas 1 so oft neu geschrieben, umgeschrieben und überarbeitet habe und auch Purlunas 2 schon öfter durch die Mangel genommen wurde - die Luft ist einfach raus. Wer mich kennt, kennt auch die Geschichte, die Purlunas kurzzeitig mit einem Verlag hatte und wie viel Kraft mir das geraubt hat.
Ich nehme an, zu viel Negatives haftet mir innerlich bei Purlunas an, sodass mich alles an meiner Herzensgeschichte müde macht und ich nur noch schlafen möchte.
Da brachte mich eine Freundin auf die Idee, dass Purlunas' Zeit entweder lange vorbei ist für mich oder noch eben nicht die Zeit gekommen ist, es neu zu schreiben.
Es fiel mir anfangs sehr schwer, mich mit dem Gedanken abzufinden, waren Evi, Rune, Nike und Noah doch seit 12 Jahren immerwährende treue Begleiter meiner Gedanken und Träume, der Lieder in meinem Kopf und sie alle haben etwas zu erzählen, teilweise sogar eine Botschaft zu vermitteln. Und die ganze Arbeit, die bereits in die Pentalogie geflossen ist!
Dennoch bin ich oft nicht abgeneigt, den Ideen anderer mal Raum zu lassen, also lief ich mit dem Gedanken, Purlunas zur Seite zu legen, einige Tage schwanger, ehe, siehe da: Ich schreiben wollte. Aber eben nicht Purlunas.
Plötzlich nahm ich die Angebote von Kollegen wahr und mir wurde bewusst: Da habe ich jetzt Zeit, Platz und Kraft für, weil mir gar nicht mehr meine Herzgeschichte im Hinterkopf spukt.
Und so ist es jetzt seit knapp vier Wochen.
Deswegen - so leid und weh es mir tut - werde ich Purlunas erstmal wieder in die Schreibtischschublade verbannen. Ich hoffe, dass seine Zeit irgendwann kommt. Aber vielleicht wird sie auch niemals kommen und nur meine kleine eigene Herzensgeschichte bleiben.
Dafür brechen nun andere Zeiten an, die eventuell genauso spannend werden wie die 12 Purlunas-Jahre.
Ich schreibe bereits fleißig an einem anderen Roman (ebenso im Fantasybereich) und an diversen Flash Fictions sowie Kurzgeschichten. Sehr bald wird es von mir eine Flash Fiction im Bereich Horror zu lesen geben (meine erste *wohoo*) und zur Weihnachtszeit gibt's etwas thrilliges ebenso als Flash. ;)

Hier habt ihr den Link zu meiner Autoren-Homepage, besser gesagt zur Kurzgeschichten-Seite.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Was lange währt ... hat jetzt ein Kapitel

Gestern konnte ich das erste Kapitel zu dem "Purlunas" beenden, das ich ein letztes Mal neu schreibe. Doch bleibt irgendwie ein fahler Nachgeschmack.
Die Zweifel klopfen an meine Tür. Möchte ich die Geschichte wirklich so und in diesem Kontext erzählen? Einerseits schon. Andererseits fühlt es sich irgendwie nicht richtig an. Als würde etwas fehlen.
Das immerwährende Umwuchten der Plots, die sich wandelnde Umgebung, die sich neu gestaltende Hintergrundgeschichte der Charaktere - all das führt dazu, dass ich mich in Purlunas momentan recht heimatlos fühle. Dennoch sollte ich als Autorin mich dort doch besonders beheimatet fühlen? Das tue ich aber nicht. Ich habe das Gefühl, dass es unrund läuft. So an sich stimmen die Charaktere mit ihrer Sprech- und Handlungsweise, alles sitzt im richtigen Kontext. Trotzdem geht der Nachgeschmack nicht weg. Deshalb überlege ich, ob es klug wäre, sich gleich in Kapitel 2 zu stürzen oder abzuwarten, bis ich mich in dieser neuen Welt beheimateter fühle? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es einfach ein bisschen Abschiedsschmerz, weil ich weiß, dass es nun die finale Variante ist? Auch hierzu habe ich keine Antwort.

Ich überlege, einfach an einer anderen Story weiterzuschreiben, auch wenn mir danach überhaupt nicht der Sinn steht.
Seit Jahren habe ich keinen ganzen Roman mehr verfasst. Eventuell sind es auch einfach Startschwierigkeiten, weil so viel noch offen ist, so viel noch nicht feststeht und es sich in sämtliche Richtungen bewegen kann.

Wie ihr seht, zur Zeit bin ich ratlos. Ich bin generell ein entscheidungsunfreudiger Mensch und gerade bei meinen Manuskripten geht es mir nicht anders - eher zieht es sich da am schlimmsten zusammen.
Gleichzeitig recherchiere ich noch in einer ganz anderen Begebenheit, die natürlich auch Zeit und Kraft kostet.

Damit ich euch noch etwas Positiveres zu dem ganzen Gedankenkarussell dalassen kann, gibt es hier einmal einen Link zu Julia Engelmanns "Bestandsaufnahme". Die werde ich jetzt auch machen ;).