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Mittwoch, 5. August 2020

Das Gefühl von "Phönix aus der Asche"



Es ist so weit. Lange habe ich gewartet, diesen Post verfassen zu können.

2017 ging es für mich richtig bergab. Ich schaffte mein Lektoratspensum nicht mehr, musste zwei Anthologien als Herausgeberin abgeben, Manuskripte ablehnen und irgendwann war ich dann auch nicht mehr gefragt. Das ist inzwischen echt okay, hat damals aber sehr an meinem Selbstwert und meinem Selbstvertrauen genagt.
Zusätzlich trennten mein langjähriger Partner und ich uns; zwei Freunde gaben nur vor, Freunde zu sein und das zog mich nach und nach immer mehr in Mitleidenschaft. Mir ging es richtig, richtig schlecht.
Ich besuchte Ärzte und Therapeuten, um aus dem Loch herauszukommen. Meine Schwester und mein Ziehbruder wohnten eine Zeit lang bei mir, doch auf Dauer funktionierte das auch nicht für mich (meine Schwester ist recht jung und braucht selbst noch Unterstützung).
Ich versuchte immer wieder zu schreiben, aber es funktionierte einfach nicht mehr. Vor allem wegen einer Sache: Ich vertraute mir selbst nicht mehr.

Dazu dann die Sache mit Verlag Beta und ich war vollkommen verunsichert. So tingelte 2018 an und vorbei, ohne dass ich wirklich etwas geschrieben hatte, obwohl ich es so gerne wollte, so viele Ideen und ausgearbeitete Konzepte hier hatte, die ich immer wieder auf ihre Funktionalität abklopfte.

2019 - das Gleiche in grün. Die Sache mit Verlag Beta schaukelte sich bei allen hoch, allein die Themen anderer Autoren zu lesen, ermüdete mich. Meine Urgroßmutter verstarb mit 107 Jahren im Schlaf. Es hatte sich lange angekündigt, ich schaffte es wegen meiner Angst-Panik-Störung nicht mehr an ihr Sterbebett.

Auch hier folgten wieder Ärzte und Therapeuten und ganz viele liebe Menschen, die ich sowohl 2018 als auch 2019 kennen lernte, und die mir teilweise bis heute Rückenwind geben (ja, Mirja, Tanja, Martina, Melli, Valli und Franzi, ich meine euch!). Ganz unerwähnt möchte ich an dieser Stelle auch nicht meine Schwester Kim, meine Ziehschwester Melli sowie meinen besten Freund Alex lassen oder meine Familie oder meine zauberhafte Freundin Dani, usw, usf, lassen, weil das die Menschen sind, die mir immer beistehen. Ich danke euch allen. Jeden Tag, für immer. (Okay, klingt, als hätte ich den Literaturnobelpreis gewonnen, aber so spektakulär isses dann doch nicht. Aber ein Danke mal so generell für alles, was sie tun, sollte dennoch nicht zu selten folgen, finde ich.)




2020 kam. Und wir alle sind uns einig: Das ist ein beschissenes Jahr, oder? Ja.
Doch etwas Gutes hat es für mich auch. Denn es ist das Jahr, in dem ich das erste Mal seit Langem wieder richtig schrieb.
Ich habe an einer Kurzgeschichtenausschreibung teilgenommen. Von einem Verlag, den ich kenne. Dem ich vertraue.
Ich habe mich hingesetzt, eine Idee entwickelt und sie aufgeschrieben. Ich habe sie überarbeitet, sehr gründlich sogar. Immer gegen den Drang an, alles hinzuschmeißen. Immer mit den Dramen von 2017 im Kopf, mit dem Selbstzweifel von 3 ganzen Jahren (und den Rest von circa 30 Jahren). Ich habe mein bisschen Selbstvertrauen, das ich mir wieder erarbeitet habe, gegen die Erfahrung mit Verlag Alpha und Beta gestemmt. Den Selbstwert als Schild gegen meine eigenen Zweifel gesetzt und weitergeschrieben.

Mit dem Schmerz durch den Verlust meiner Uroma in mir, mit der Verarbeitung der Trennung vom Lebenspartner, mit allem, was weiterhin wehtat oder bis heute wehtut. Mit all der Toxizität, die ich mir selbst biete.
Und ich habe sie betalesen lassen und an den Verlag geschickt.
Nach all den Monaten, in denen ich einfach ignorierte, dass ich eine Kurzgeschichte eingereicht habe (die Geschichten werden anonymisiert gelesen, also kann ich sichergehen, dass ich keinen "Die Autorin kenne ich, die nehme ich automatisch auf"-Bonus hatte), erreichte mich letzte Woche die freudige Nachricht, dass ich es mit meiner Geschichte in die Anthologie geschafft habe. Ich habe eine Zusage.

Ganz vielleicht habe ich 3 Stunden lang vor Glück immer wieder losweinen müssen.



Denn nach allem, was seit 2017 passiert ist, ist das schriftstellerisch gesehen die beste Nachricht, die ich seitdem bekommen habe. Sogar ein bisschen lebenstechnisch. Denn 3 Jahre lang hatte ich wenig, worauf ich wirklich stolz war. Doch für diese Geschichte habe ich gekämpft. Ich habe mich richtig reingehängt und eine Zusage bekommen.
Ich kann es also noch.
Und wenn es einmal geklappt hat, klappt es auch wieder, oder? Ja.

Welche Sammlung das ist und bei welchem Verlag? Das verrate ich erst, wenn die Verträge unterschrieben sind. Ich bin da ein bisschen abergläubisch und möchte nichts beschreien. Aber ihr werdet davon hören :). 

Samstag, 27. Juni 2020

Bestandsaufnahme á la Julia Engelmann

Was ich hab


- Ich habe sooo viele Geschichten zu erzählen, so viele Ideen, so viel vorgearbeitet, recherchiert, geschrieben, überarbeitet.

- Ich hab das passende Arbeitsmaterial in Form von gut funktionierendem und angenehm drauf zu schreibenden Laptop da.

- Ich hab Zeit (meistens).

- Tagträume (und manchmal auch Nachtträume ;)), die mich in meine selbst ausgedachten Welten entführen.

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Was ich hab, aber nicht will


- Zweifel. An mir und dem Schreiben. Ist es das, was ich für immer will? Meistens ja, manchmal nein. 

- Absolute Ideenlosigkeit (ob vorgeplottet oder nicht, ob grobe Idee oder stark skizziert, ganz gleich), was ich schreiben soll, wenn ich Lust dazu habe.

- Sonderprobleme aus der Vergangenheit, die mir im Nacken sitzen. Größtenteils privat und die bedürfen meiner Energie mehr. Aber auch beruflich. Schreiben? Ja. Erfolg damit und irgendwann davon leben? Nein. Warum nicht? 

- Selbstzweifel. Frei nach: Ich gerate bestimmt wieder an so einen komischen Hansel von Verleger. Ich kann nicht richtig einschätzen, wer es ernst mit mir als Autorin und mit dem Manuskript meint, das ich abliefere. Niemand will lesen, was ich schreibe (was nicht stimmt). Ich bringe eh nichts Gehaltvolles zustande (Okay, jetzt wird's weird).

- Anerkennung für geleistete Romane. Klingt komisch? Ja, ich weiß. Wenn man aber alle Romane, die man bislang veröffentlicht hat, wieder aus dem Verkehr ziehen muss (Purlunas 1, weil mit dem Verleger verkracht; Grenzenlos, weil ich stehe nicht mehr hinter dem, was ich geschrieben habe; Lexi Littera 1-3 und Brautsee befinden sich noch im anwaltlichen Kampf, dass sie nicht weiter vom Verlag verkauft werden, der mich wiederum seit Jahren nicht bezahlt), kann man das "Wenigstens hast du etwas geschaffen, das nach dir bleiben wird" oder "Wow, du bist ja echt ne richtige Autorin!" oder auch "Ich finde deine Romane voll toll" irgendwie zur Qual. <-- (Beweis: Schachtelsätze kann ich mega gut! XD)

- Hang zum schnellen Eskapismus. Ich will raus hier. Das geht am Einfachsten, wenn ich mich forttragen lasse und dafür bei Ideenlosigkeit nix tun muss.

- Depressionen und andere quirlige Kleinigkeiten. Die machen den Alltag auch nicht leichter und manchmal zum puren Überlebenskampf. (Siehe Eskapismus)

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Was ich nicht hab


- Disziplin. Zumindest nicht beim Schreiben. Ich bin leicht ablenkbar, schnell überfordert mit meiner Umgebung und kann mich schwer konzentrieren. Zwischenmenschliche Kontakte ziehen die Energie komplett aus mir heraus, sodass ich oft schlafen muss, obwohl ich gerne etwas ganz anderes tun wollen würde (demnächst folgt ein Arzttermin, der dann mal rausfinden soll, ob die Schilddrüse vielleicht auch der Übeltäter sein könnte).

- Begeisterung aka Motivation. Wozu schreibe ich? Die uralte Frage, die sich die meiste Autoren irgendwann stellen. Im Idealfall: Für mich. Mag ich meine Ideen? Und wie! Denke ich, dass sie irgendjemanden etwas nutzen? Keine Ahnung. Wieso muss alles einen Nutzen haben? Und dann bin ich da verknüpft mit der:

- Anerkennung. Ich habe ein Problem auf vielen Ebenen damit. Zuerst einmal ist mein Gehirn getrimmt auf "Ich mach das mal und dann ist das gut". Ist es das nicht, verliere ich die Motivation. Lange für etwas arbeiten müssen, ja, das kann ich. Aber das ist aktuell nicht das, was ich brauche (und ich glaube, da liegt der Knackpunkt). Dann Anerkennung von außen zulassen. Wie geht das? Keine Ahnung. Ich arbeite aber daran. Aber es liegt auch ein bisschen daran (und ich hasse es, das festgestellt zu haben), dass ich relativ wenig Anerkennung bekomme. Ich habe maximal zwei bis drei Personen, die meine Geschichten unbedingt lesen wollen. Okay, an sich habe ich überhaupt jemanden, der sie lesen möchte, das ist schön! Aber ... ich glaube, das reicht mir nicht. Und ich brauche nicht nur Testleser, ich brauche Betaleser, Menschen, die mich besser machen, in dem, was ich gerne tue, die nachfragen, die Interesse auch an mir haben. Tatsächlich ist das etwas, das mir sehr fehlt und mich auch hemmt. Nächster Punkt: Sich selbst Anerkennung zollen. Öhm, ja. Ich werde besser darin, sagen wir es so :).

And last but not least:

- Zeit. Moment mal, hab ich nicht oben geschrieben, dass ich Zeit habe? Ja. Hab ich. Und wiederum hab ich sie auch nicht. Denn wer so verwebt ist mit seinem Weg aus der Depression, der ganzen Angstschei*e, den Selbstzweifeln, der Überforderung, dem Drang zu entfliehen und in irgendwas einfach so mal gut genug für sich selbst zu sein, der hat keine Kraft, Zeit, Energie für irgendwas anderes.

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Manche Unkenrufe höre ich auch jetzt schon. Baaah, stell dich nicht so an! So schwer ist das Leben nicht. Du musst mal öfter rausgehen, hat mir immer gut geholfen. Mal mit Sport probiert? Die Ernährung ist bestimmt schuld. Denk einfach mal nur an die schönen Sachen. Tja, entweder man will etwas und tut es oder man tut es nicht, dann will man aber auch nicht.
Jaja, schon kapiert, das Leben ist leicht und schön und es gibt keinen Grund, sich mit Problemen ernsthaft auseinanderzuseten!

Nichtsdestotrotz hab ich Dinge auf meiner Haben-Seite, die das Nicht-Haben zwar nicht ausgleichen, aber da sind. Und trotz alledem sind sie immer noch da. Quälen mich manchmal, bereiten mir doch auch Freude und sind einfach anwesend. Und solange die noch existieren, gebe ich das Schreiben nicht dran. Mag da kommen, was will, ich träume weiter und arbeite auf die Zeit hin, in der ich sagen kann: Die Haben-Seite wiegt mehr. Und der Rest hat abgenommen. Ich kann wieder schreiben.

Freitag, 13. März 2020

Du schreibst falsch!


Hach, wie jung und naiv ich 2007 doch war. Ich kritzelte meine Figuren an den Rand des Collegeblocks, während ich in den Vorlesungen und Proseminaren der Uni saß. Dann begann ich zuhause, Geschichten zu ihnen zu erfinden, ihnen Charakter zu verleihen und es fühlte sich an, als käme es aus den unendlichen Weiten des Universums direkt zu mir geflogen. Alles passte, fügte sich, wurde anschließend noch ein bisschen passgenauer gemacht. Sechs Monate später blickte ich auf mein erstes Manuskript und war dermaßen stolz, dass ich vor Glück fast platzte. Ich hatte einen Roman geschrieben! Und noch besser: Es war der erste Teil von Fünfen!
Jetzt musste ich ihn nur noch Freunden schicken. Formatierte ihn unwissend in ein PDF und schon fühlte es sich an wie ein EBook (die damals noch nicht gängig waren, btw … Gott, bin ich alt).
Freunde gaben mir eine positive Resonanz. Hach, der Traum ging weiter. Ich schrieb bereits an Teil 2 und es fühlte sich noch passender an.

Dann trat ich in die Verlagsbranche ein.





Nicht so, wie man sich das als junger Naivling vorstellt. Ich dachte, ich schicke das mal an ein paar Verlage und irgendeiner wird zusagen, mein Talent erkennen und dann hab ich bald mein eigenes Hardcover in der Hand. Wunderschöne Vorstellung, oder? Ja. Zu schön, um wahr zu sein. Echt jetzt.
Durch Recherche im Netz kam ich dann auf den Trichter, doch eher eine Agentur zu benötigen. Die würde mich an die wirklich großen Verlage vermitteln können. Während ich also fleißig Teil 3 schrieb, keine Ahnung von Normseiten hatte, keine Ahnung von irgendwas überhaupt hatte, machte ich mich noch an einem anderen Werk zu schaffen, dass dann ein Einteiler werden sollte. Weil ne Buchreihe war nun mal schwer zu vermitteln, wie ich dem Netz entnahm.
Das Buch war schnell heruntergeschrieben, ich war so im Flow, das nichts und niemand mich stoppen konnte. Inzwischen war 2010 und ich suchte Agenturen wie verrückt.
Ein paar antworteten sogar. Auf andere warte ich heute noch. (Ich glaube langsam, die haben kein Interesse. 😉 ) Nachdem ich die schwarzen Schafe ausgemustert hatte (danke an die Autoren, Verleger und Agenturen, die mir beibrachten, was schwarze Schafe in der Branche sind!), war da keiner mehr, der mein Manuskript wollte.
Und ein paar hatten sehr nette Absagen verschickt. Die da lauteten ungefähr: »Leider wüssten wir für ihr Werk keinen passenden Verlag, aber melden Sie sich gerne, wenn sie etwas haben, das diesem und jenem Genre entspricht.« Wow, okay, das klang gut.
Dann waren da allerdings noch Absagen wie diese: »Setzen Sie sich bitte erst einmal mit dem Schreiben auseinander.« »Treten Sie Foren bei und gucken, was Ihre Kollegen machen.« »Sie können nicht schreiben.« »Sie vertauschen ständig die Perspektiven.«
Das tat weh. Sehr. Und brachte mich ins Wanken.
Ich überprüfte mein Manuskript auf all diese Aussagen. Gerade die letzte war ja etwas, das ich ändern könnte, allerdings fanden weder ich noch andere den Fehler in der letzten Aussage. Es brauchte viel Zuspruch von Freunden und Bekannten, ehe die Tränen über diese Aussagen getrocknet waren. So sollte mein glorreiches Schriftstellerdasein doch gar nicht enden. Ich wollte vom Schreiben leben!
Jaja, der junge Naivling. Die inzwischen über 30jährige blickt zurück und lächelt mild.
Ich machte ein Schreibstudium an einer Fernschule, schloss mit 1 ab. Es folgten noch mehr Absagen (normale, freundliche, wieder nicht sonderlich nette und auch gar keine, die ich dennoch jetzt mal als Absage werte). Es war niederschmetternd.
Dann sah ich: Oh, andere Autoren plotten. Wahrscheinlich mache ich das verkehrt. Ich schreibe falsch, klar! So kann ich das verbessern.
Ich plottete akribisch. Und hatte keine Lust mehr zu schreiben. Das war laaaaaaangweiliiiiiiig. Schreibflaute.
Lockerer plotten. Nur jedes Kapitel anreißen. Klar, klappt bestimmt. Klappte auch! Eine Zeit lang. Dann: Schreibflaute.
Tipps und Tricks von Kollegen währten leider nie lange, auch wenn ich immer dachte, ich hätte die Lösung gefunden.
Ich schrieb, schrieb, schrieb. Gegen jede Flaute an. Gegen jede Blockade. Veröffentlichte bei Verlagen, eine Kurzgeschichte nach der anderen ging in eine Anthologie ein. Verlage ließen mich fallen, etc (dazu die anderen Artikel lesen 😉), ich schrieb weiter. Holte mir Ideen und Motivation von anderen Kollegen.


2015 der Knall mit Verlag Alpha.
Ich schrieb weiter, als wäre nichts. Obwohl man über mich gesagt hatte, dass ich nie wieder ein Buch veröffentlichen würde – zumindest nicht in einem Verlag.
Dann 2018 der große Knall mit Verlag Beta.
Schreibblockade. Rien ne va plus.



Dann saß ich da mit meinem Talent. Derweil sah ich zu, wie meine Kollegen Kraft aus dem Schreiben schöpften, alles gaben, es ihnen scheinbar leicht fiel, wieder auf die Beine zu kommen oder nie gefallen waren. Die das Wort Blockade nicht kannten. Die nie eine Flaute hatten, ihre 10 Manuskripte im Jahr ablieferten.
Und ich stellte fest (11 quälende Jahre nach den Kritzeleien an meinem Collgeblockrand), dass ich nicht schreiben konnte. Dass es mir keinen Spaß mehr machte. Dass ich leer war, meine Ideen verbraucht und ich es nie schaffen würde.
Da ich chronisch krank zuhause festgebunden bin, war mein einziges Hobby, das ich zum Beruf machen wollte, dahin. Aus der Traum.
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Aber!
Wenn ich meine Herzensreihe noch einmal plotte …
Nein, das wurde nichts.
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Ich lasse los.
Es bringt nichts.
Es tut nur weh.
Ich will mich nicht länger so fühlen.
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2020
Ich hab gehäkelt. Eine ganze Decke in 4 Monaten. Ich hab meine Katze bei Wind beruhigt, mich um die tränenden Augen meines Katers gesorgt, Zeit mit dem alten Kaninchen verbracht.
Ich hab Freunde getroffen und geredet.
Überlegt, ob ich ins Coverdesign oder den Satz gehe (noch nie gemacht, wird super, ich junger Naivling, ich).
Viel über mich selbst herausgefunden.
Verstanden, wie ich funktioniere.
Abstand gewonnen, von Kollegen (die ich dennoch mag) und Verlagen (bei denen ich manche sehr gerne mag, andere wiederum gar nicht), mir inspirierende Kollegen gesucht (und gefunden), Onlinespiele mit meinem besten Freund gezockt, mit meiner Schwester Sam und Dean Winchester auf ihrer Reise begleitet, während wir kosmetische Gesichtsmasken trugen, mit meiner besten Freundin Kaffee wie ein Loch gesoffen, gleichzeitig lustige Videos geguckt und die Nägel lackiert (sie schwarz, ich irgendwas mit bunt und Glitzer), mit meiner Familie gegessen, bis mir schlecht war (Burger und Sushi sind das beste Food auf der Welt), Herr der Ringe zum xten Mal geguckt, Infinity War und Endgame hintereinander geguckt und geflennt wie ein Baby, neue Filme und Serien entdeckt, ausgemistet, für mich eingestanden und – nur ab und an einen vorsichtigen Blick in die Verlagswelt geworfen.
Das. War. Sowas. Von. Nötig.
Elsa hatte recht. Let it go.

Denn es gibt sie.




Die akribischen Planer
Die vorher genau alles plotten, weil sie dadurch Motivation im Schreibprozess erfahren und einfach einen Faden haben, an dem sie sich entlanghangeln. Sie sind irritiert von Plotholes und verfluchen Plotbunnies gerne. Aber sie zieren sich nicht, Kraft und Zeit ins Umplotten zu stecken, damit alles wieder richtig sitzt.

Die Inspirationsschreiber
Die nur dann schreiben können, wenn sie sich danach fühlen. Sonst geht nichts und alles fühlt sich madig an. Planen ist nicht ihr Ding im großen Sinne. Es muss ich einfach richtig anfühlen. Von zu viel Geplane fühlen sie sich eingeengt und dann geht das ganze Schreiben in eine Lustlosigkeit über.

Die Zerdenker
Die alles in ihre Einzelteile zerlegt haben müssen, damit sie den Absatz, die Seite, das Kapitel schreiben können, weil es sonst keinen Sinn für sie ergibt. Es muss nicht geplant, aber durchdacht sein, und sobald es nicht zerdacht ist, fühlt es sich falsch an.

Die Flowschreiber
Die drauflos schreiben und mit jedem Wort wacher und genügsamer werden, die unterwegs planen und Freude dabei empfinden. Jedoch brauchen sie eine gewisse Zeit, ehe sie in den Flow kommen, landen dort aber meist schneller als andere Schreiber.

Die Traumaschreiber
Die Sachen durch das Geschriebene in sich verarbeiten und dennoch einen Roman produzieren wollen. Viel Persönliches fließt dort hinein. Am Besten geht man sensibel mit dem Text um, denn zu harsche Kritik fühlt sich wie eine Kritik an der eigenen Person an.

Die Suchtschreiber
Hauptsache schreiben, egal was, egal wann, los, sie brauchen das. Ob in der Bahn oder dem Bus zum Brotjob, ob sie gerade unterwegs oder zuhause sind, im Bett oder am Esstisch, es muss geschrieben werden. Überarbeiten ist nicht so toll, fühlt sich stockend an, aber Schreiben ist geil.

Die Hochkonzentrierten
Die nur dann schreiben können, wenn absolute Ruhe um sie herrscht und die leicht aus dem Konzept zu bringen sind. Ablenkung ist der Todfeind, Geräusche zerstören die Stimmung, die sie jetzt nicht mehr richtig einfangen können. Gedanken zerfließen schnell, dafür ist das tatsächlich eingefangene von ihnen gefühlt gehaltvoller.

Die Kakophonieschreiber
Die ihre Umwelt komplett ausblenden können, egal, was um sie herum passiert, da sie in ihrem Text versinken. Alles ist vertraut, die Charaktere sind die eigene Schöpfung, die man selbst gern als beste Freunde hätte. Die Haltestelle wird gerne mal verpasst, andere Menschen und Gespräche spontan ausgeblendet, weil nun kam gerade eine Idee, die notiert werden muss,

Die Musicalschreiber
Die ohne Musik schlichtweg nicht schreiben können und einen gewissen Lärmpegel brauchen, um überhaupt loslegen zu können. Musik ist die Antwort auf jede Frage, die sich ums Schreiben dreht. Klappt nicht? Anderes Lied. Klappt nicht? Andere Band. Klappt nicht? Anderes Album. Klappt nicht? Es wird Zeit, das ein neues Musikgenre erfunden wird!

Und was es auch gibt, womit ich lange gehadert habe, weil ich es für mich selbst nicht erkennen wollte (danke, bester Freund 😊):

Nachteulen
Die am besten in der Nacht schreiben, wenn alles still ist, weil sie dann zur Ruhe kommen.

Morgenlerchen
Die am Besten schreiben, wenn der Kopf noch nicht zum Denken in der Lage ist.

Mittagsmöwen
Die ihre Inspiration dann kriegen, wenn sie Sonne am höchsten steht und die Serotoninzufuhr zunimmt.

Nachmittagsspatzen
Die ihre Wortkrumen am Besten aufpicken, wenn alles um sie herum in Feierabendstimmung verfällt.

Abendraben
Die nach dem Feierabend am Besten erstmal loslegen und schreiben, bis sie zu Abend essen (oder eben nach dem Abendessen schreiben), weil dann die Erlebnisse vom Tag besser verdaut werden können.

Die Rock-Around-The-Clock-Adler
Die einfach immer schreiben können, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Deren Konzentration sich eben immer auf das Manuskript richtet, ganz gleich, was um sie herum passiert.




Es gibt sie alle (und wahrscheinlich noch sooo viel mehr). Und sie vermischen sich ineinander. Manche sind Morgenlerchen und Abendraben, dazu Flowschreiber und Zerdenker. Andere sind sowohl Nachmittagsspatzen als auch Nachteulen, die gerne akribisch plotten, aber auch Inspiration brauchen, damit es richtig laufen kann.

Zu oft habe ich auch von Kollegen und Verlegern gehört, dass, wenn man wirklich professionell arbeiten will als Autor, nur Schema A oder B passt, sonst arbeitet man eben nicht professionell.
Da lege ich nun mein Veto ein.

Natürlich kann man seine Effizienz optimieren. Natürlich kann man andere Schemata probieren. Und selbstverständlich kann man sich als Schriftsteller wandeln. Die eigenen Bedürfnisse und Lebensumstände können dazu führen, dass man vom akribischen Planer zum Flowschreiber wird und umgekehrt. Von der Nachteule zur Morgenlerche.

Aber ich weiß auch für mich, dass mein Schreiben nicht funktioniert, wenn ich mich in ein Schema presse, das mir schlichtweg nicht passt. Und ich will das auch nicht mehr.
Ich vergleiche es gern mit einem Schuh oder einem Pullover, der nicht der eigenen Größe oder dem Körperumfang entspricht.
Ist der Schuh zu groß? Ich schwimme in einer dunklen Höhle, der Fuß ist angestrengt und ich fühle mich unwohl.
Pulli zu groß? Ich bin klein und versinke irgendwo in Stoff.
Schuh zu klein? Zehen tun weh, überall Druckstellen.
Pulli zu klein? Ich zupfe ständig überall an mir herum, damit er am Platz bleibt und ich passe scheinbar nicht zu diesem Pulli.



Es ist unnötig. Wenn es nicht passt, passt es eben nicht. Man muss sich nicht passend machen.
Genauso wenig wie ich meine Füße mal größer oder kleiner machen kann oder meinen Oberkörper zwingen kann, jetzt bitte schmaler zu werden oder zu wachsen. Stattdessen sage ich: Nein, der Schuh und der Pulli passen einfach nicht. Ich muss mir andere suchen, die mir entsprechen. Genauso wenig will ich mein Schreiben in eine Form pressen, die anderer Leute Meinung nach professionell ist.
Als Autorin will ich hauptsächlich eins: Schreiben. Und das will ich machen, wie es mir gut tut. Und nicht, wie es mich quält. Überarbeiten kann ich immer noch wie ne Professionelle 😉 oder ich hole mir Hilfe (die sich jeder allein schon wegen Betriebsblindheit holen sollte).

Lass los.




Kapitel 2 von Purlunas hat jetzt 18 Seiten. Innerhalb weniger Tage. Ich bin glücklich und höchst zufrieden. Ich habe sogar zwei Kurzgeschichten bei Verlagen eingereicht. So weit hab ich mich aus meinem Schneckenhaus herausgetraut. Jetzt verfasse ich diesen Artikel. Trotze all dem Rotz, der nach wie vor wegen Verlag Beta in mir vorgeht, versuche Alpha weiterhin zu verarbeiten, all die nicht sonderlich netten Absagen nicht an mich heranzulassen. Vielleicht stimmt es, was sie sagen. Vielleicht kann ich nicht schreiben. Vielleicht werde ich nie wieder veröffentlicht.
Na und?
Ich schreibe trotzdem.
Weil. Es. Mich. Glücklich. Macht.
Und wegen nichts anderem.

Sonntag, 10. November 2019

Schließt sich eine Tür ...

Ich hasse es, Projekte auf unbestimmte Zeit auf Eis zu legen. Doch jetzt ist es so weit. Und es geht um Purlunas.
Nachdem ich mich so mit diesem Thema herumplage, obwohl ich es so gern schreiben möchte - ich kann es nicht. Es macht mir keinen Spaß. Die Welt und alles drumherum stimmt, ist ebenmäßig aufgebaut. An sich bin ich mit dem Worldbuilding zufrieden, der Plot stimmt, die Charaktere ebenfalls. Aber sobald ich mich zum Schreiben heransetze, kämpfe ich nur noch. Und genau das möchte ich für meine Manuskripte nicht.
Nachdem ich Purlunas 1 so oft neu geschrieben, umgeschrieben und überarbeitet habe und auch Purlunas 2 schon öfter durch die Mangel genommen wurde - die Luft ist einfach raus. Wer mich kennt, kennt auch die Geschichte, die Purlunas kurzzeitig mit einem Verlag hatte und wie viel Kraft mir das geraubt hat.
Ich nehme an, zu viel Negatives haftet mir innerlich bei Purlunas an, sodass mich alles an meiner Herzensgeschichte müde macht und ich nur noch schlafen möchte.
Da brachte mich eine Freundin auf die Idee, dass Purlunas' Zeit entweder lange vorbei ist für mich oder noch eben nicht die Zeit gekommen ist, es neu zu schreiben.
Es fiel mir anfangs sehr schwer, mich mit dem Gedanken abzufinden, waren Evi, Rune, Nike und Noah doch seit 12 Jahren immerwährende treue Begleiter meiner Gedanken und Träume, der Lieder in meinem Kopf und sie alle haben etwas zu erzählen, teilweise sogar eine Botschaft zu vermitteln. Und die ganze Arbeit, die bereits in die Pentalogie geflossen ist!
Dennoch bin ich oft nicht abgeneigt, den Ideen anderer mal Raum zu lassen, also lief ich mit dem Gedanken, Purlunas zur Seite zu legen, einige Tage schwanger, ehe, siehe da: Ich schreiben wollte. Aber eben nicht Purlunas.
Plötzlich nahm ich die Angebote von Kollegen wahr und mir wurde bewusst: Da habe ich jetzt Zeit, Platz und Kraft für, weil mir gar nicht mehr meine Herzgeschichte im Hinterkopf spukt.
Und so ist es jetzt seit knapp vier Wochen.
Deswegen - so leid und weh es mir tut - werde ich Purlunas erstmal wieder in die Schreibtischschublade verbannen. Ich hoffe, dass seine Zeit irgendwann kommt. Aber vielleicht wird sie auch niemals kommen und nur meine kleine eigene Herzensgeschichte bleiben.
Dafür brechen nun andere Zeiten an, die eventuell genauso spannend werden wie die 12 Purlunas-Jahre.
Ich schreibe bereits fleißig an einem anderen Roman (ebenso im Fantasybereich) und an diversen Flash Fictions sowie Kurzgeschichten. Sehr bald wird es von mir eine Flash Fiction im Bereich Horror zu lesen geben (meine erste *wohoo*) und zur Weihnachtszeit gibt's etwas thrilliges ebenso als Flash. ;)

Hier habt ihr den Link zu meiner Autoren-Homepage, besser gesagt zur Kurzgeschichten-Seite.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Was lange währt ... hat jetzt ein Kapitel

Gestern konnte ich das erste Kapitel zu dem "Purlunas" beenden, das ich ein letztes Mal neu schreibe. Doch bleibt irgendwie ein fahler Nachgeschmack.
Die Zweifel klopfen an meine Tür. Möchte ich die Geschichte wirklich so und in diesem Kontext erzählen? Einerseits schon. Andererseits fühlt es sich irgendwie nicht richtig an. Als würde etwas fehlen.
Das immerwährende Umwuchten der Plots, die sich wandelnde Umgebung, die sich neu gestaltende Hintergrundgeschichte der Charaktere - all das führt dazu, dass ich mich in Purlunas momentan recht heimatlos fühle. Dennoch sollte ich als Autorin mich dort doch besonders beheimatet fühlen? Das tue ich aber nicht. Ich habe das Gefühl, dass es unrund läuft. So an sich stimmen die Charaktere mit ihrer Sprech- und Handlungsweise, alles sitzt im richtigen Kontext. Trotzdem geht der Nachgeschmack nicht weg. Deshalb überlege ich, ob es klug wäre, sich gleich in Kapitel 2 zu stürzen oder abzuwarten, bis ich mich in dieser neuen Welt beheimateter fühle? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es einfach ein bisschen Abschiedsschmerz, weil ich weiß, dass es nun die finale Variante ist? Auch hierzu habe ich keine Antwort.

Ich überlege, einfach an einer anderen Story weiterzuschreiben, auch wenn mir danach überhaupt nicht der Sinn steht.
Seit Jahren habe ich keinen ganzen Roman mehr verfasst. Eventuell sind es auch einfach Startschwierigkeiten, weil so viel noch offen ist, so viel noch nicht feststeht und es sich in sämtliche Richtungen bewegen kann.

Wie ihr seht, zur Zeit bin ich ratlos. Ich bin generell ein entscheidungsunfreudiger Mensch und gerade bei meinen Manuskripten geht es mir nicht anders - eher zieht es sich da am schlimmsten zusammen.
Gleichzeitig recherchiere ich noch in einer ganz anderen Begebenheit, die natürlich auch Zeit und Kraft kostet.

Damit ich euch noch etwas Positiveres zu dem ganzen Gedankenkarussell dalassen kann, gibt es hier einmal einen Link zu Julia Engelmanns "Bestandsaufnahme". Die werde ich jetzt auch machen ;).

Donnerstag, 27. Juni 2019

Purlunas-Nostalgie

Purlunas wächst. Jeden Tag. 
Manchmal nur gedanklich.
Viel im Weltenbau.
Und seit Neustem auch in Manuskriptform.

Mein Herzensprojekt - also DAS schlechthin - arbeitet seit 12 Jahren in mir. Es ging durch unzählige Betaleser, von der allerersten Stunde an. Es ist das Werk, das ich immer schreiben wollte und will.
Und nach einer Odyssee an Agenturen und Verlagen (und sogar einer Veröffentlichung) beginne ich noch einmal, ein letztes Mal, ganz von vorne.
Nachdem ich nach wie vor im Weltenbau hänge und die Charaktersheets noch nicht fertig sind, habe ich dennoch angefangen zu schreiben, als mich die Muse knutschte. Oder schubste. Oder mir mit Mjölnir auf die Birne hämmerte. Oder mir nachts unzählige Lieder vorsang, damit ich nicht einschlafen konnte. Oder die Hitze mich desolat machte. Oder eine Mischung aus allem, zusätzlich zu dem Gefühl, angekommen zu sein. Dass ich jetzt wirklich Evis, Noahs, Nikes und Runes (früher auch als Chris bekannt ;)) Geschichte erzähle. Endlich, Hallelujah!

Denn vor 13 Jahren saß ich in einer Vorlesung der alten Geschichte. Und was soll ich sagen? Sie war alt. Sehr alt. Und der Professor war seeeeeehr ... unbegabt, was die Rhetorik anbelangt. Damit ich nicht einschlafe, kritzelte ich ein wenig am Rand meines Collegeblocks. Einen Hut. Eine Brille. Ein Lächeln. Lockige Haare. Eine Zahnspange. Hände. Doch der Professor schwadronierte weiter. Ohne Rücksicht auf meine Müdigkeit und der Tatsache, dass ich schnarche. Das wäre in einer Vorlesung nicht so gut angekommen, fürchte ich. Also für mich. Und den Professor. Dann kam das erste Gesicht unter den Hut. Augen, dunkelblau. Braune, lockige Haare. Zahnspange kriegt der auch noch.
Schwupps, Benni war da. 
Dann folgte sein bester Freund. Noah. Glatt gegelte Haare, freches Grinsen, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und unglaublich intelligent. Und der hat auch noch ne Schwester!
Die muss jünger als er, kriegt ebenso blonde Haare, hellblaue Augen, genau wie ihr Bruder. Oh und das wäre fein, wenn sie die Freundin von dem Benni wird. Oder? Ich nenn sie Evi. Glaub ich ... zuhause mal schauen, was der Name heißt.
Irgendwann war die Vorlesung vorbei. Und als ich im Seminar für nordeuropäische Kulturgeschichte saß, bekamen Noah und Evi plötzlich Eltern. Hanna und Max.
Dänische Sprache. Alva Koldt, Nike und Rune folgten.
Pädagogikseminar. Nero Nichtig, Nikes und Runes Eltern.
In Psychologie hörte ich zu ;).
Proseminar Mittelaltergeschichte. Der Prof war nett, rhetorisch begabt. Meistens hörte ich zu. Aber ... Sandra und Susanne Silberblatt entstanden dennoch.
Recherche in der Unibiblothek. Florus Immergrün, Allegra Gess und andere Lehrer.
Hausarbeit in der Fachbibliothek Geschichte. Muffige Bücher, schlechtes Licht (klar, die alten Schinken müssen geschont werden), und irgendwie gibt es zu wenig weibliche Helden. Was wäre, wenn nicht Benni der Held wäre, sondern ... Evi? Ja, mal überlegen.

Wieder zuhause. Glas Weißwein. Berichte Mitbewohnerin wie blöde von meinen Ideen. Sie lächelt.

Hehehe ... ich hab jetzt Figuren, da könnte ich glatt nen Buch schreiben. Hehehe ...

Jaaaah ... 13 Jahre später sitze ich hier. Verfasse diesen Post. Und bin dem langweiligen Professor so unendlich dankbar, dass ich mache, was ich liebe.

Kurzum: Langzeitprojekt Purlunas geht in die finale Phase. das Schreiben hat begonnen, die restliche Welt wird gesponnen und die Charaktersheets ... müsste ich mal aufschreiben, damit ich nicht durcheinander komme. Denn nach knapp 12 Jahren, nachdem ich den ersten schrieb und so unendlich viele Versionen wie diese Geschichte hatte, braucht es jetzt feste Strukturen, in denen ich arbeiten kann. Und die ich einreißen kann, wenn Buch 5 irgendwann, endlich geschrieben wird.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Das rasante Knutschen der Bordsteinkante oder Wie ich meinen Selbstwert wiederfand


Ich habe für Verlag „Alpha“ sowohl als Autorin gearbeitet, als auch als Lektorin und Korrektorin. Der Verlagsleiter war anfänglich sehr nett und wir tauschten nach und nach immer mehr persönliche Informationen aus, sodass eine Art Freundschaft entstand. Ein wenig Zweifel an seiner Stellung als Verleger hatte ich lediglich durch seine harsche Behandlung mancher Autoren.
Manche von euch gehen für gute Freunde zu gewissen Zeiten vielleicht auch komplett aus ihrer eigenen Bahn. Sind Konfliktvermeider erster Stunde und stehen total auf Harmonie, sodass sie dafür sogar darauf verzichten, richtig zu liegen, auf die Korrekturen von Fehlern bestehen oder jemandem ins Gesicht sagen, wenn etwas schlichtweg nicht gut ist, obwohl sie es selbst besser wissen. Und bloß nicht, auf gar keinen Fall, sagen, wenn sie unzufrieden sind.
Als Autor ist man dem Verlag natürlich dankbar, dass man unter die Fittiche genommen wird, vor allem wenn es nach außen scheint, dass da alles tutti läuft.
Diese giftige Mischung gepaart mit geringem Selbstwert, wenig Selbstbewusstsein und dann zurückgedrängtes Selbstvertrauen sind de facto genau die Gründe, weswegen ich nur auf die Fresse fliegen konnte. Und das war gut so.
Also … natürlich nicht.
Und doch schon.
Denn ohne dieses rasante Knutschen der Bordsteinkante, hätte ich nie im Leben gelernt, was ich heute weiß, um diesen Artikel zu schreiben.

Was ich für den Verlag lektoriert, korrigiert und gesichtet habe:
-          Manuskripte
-          Kurzgeschichten
-          Klappentexte
-          Autorentexte
-          Autorenbiographien
-          Die Website
-          Flyer
-          Posts auf Facebook

Was mir vergütet wurde:
-          Manuskripte
-          Kurzgeschichten (meistens)

Ja.
Nicht mehr.
Und das für einen Hungerlohn. Als ich nach drei Jahren um eine Gehaltserhöhung bat, bekam ich jene nicht.
Als ich nach einem Honorar für die Herausgeberschaft einer Anthologie fragte, wurde ich ebenso abgeschmettert. Wäre gut für meine Reputation, aber eben nicht, um bezahlt zu werden. Trotz jahrelanger Mitarbeit.
Nachdem mein Manuskript dort unter, sagen wir, widrigen Bedingungen veröffentlicht wurde, bekam ich statt festgesetzter prozentualer Beiträge eben festgesetzte Centbeträge. Ich hatte das Manuskript für den Verlag komplett neu geschrieben, genauso wie Teil 2 und bekam für den zweiten Teil einen anderen Vertrag, der auch den ersten für Manuskript 1ersetzen sollte. Nämlich den verdi-Standardvertrag. Diesen wollte ich jedoch mit Veröffentlichungsrecht weit nach meinem Tod nicht unterschreiben. Doch der Verleger, mein Freund, ließ nicht mit sich verhandeln.
Über die Jahre wurde mir suggeriert, dass ich froh sein könne, überhaupt lektorieren zu dürfen und Teil eines Teams zu sein. Dass man sehr nachsichtig mit mir wegen meiner Depression und sich dadurch ab und zu verschobene Terminabgaben sei (Anmerkung: Ich habe stets kommuniziert, was geht und was nicht; zusätzlich bin ich sehr zuverlässig, so auch in diesen Fällen). Dass jeder andere mich bereits fallen gelassen hätte wie eine heiße Kartoffel. Dass ich dankbar sein solle, dass mein Manuskript überhaupt veröffentlicht worden sei. Und dass ich, unterschriebe ich den Vertrag nicht, die bereits angefallenen Lektoratskosten für Band 2 zu tragen hätte, weil ja Absprache über den Facebook Messenger stattgefunden hätte, dass jetzt lektoriert werde.
Und plötzlich reichte es mir.
Ja, ich habe einen sehr langen Geduldsfaden und manchmal scheinbar auch eine extrem lange Leitung. Als sich all diese Sachen, die sich über Jahre anstauten, plötzlich zu einem großen Klumpen zusammenformten, erkannte ich erst, was ich da machte. Wie sehr ich mich als Autor aber auch als Mensch unter Wert verkaufte.
Ich weigerte mich, den Standardvertrag zu unterschreiben, woraufhin ich ein (wie erwartet) cholerisches „Dann such dir doch einen anderen Verlag“ bekam. Und diesmal wich ich nicht zurück, gab nicht klein bei. Ich antwortete: „Mache ich.“
Ab da ging der Krieg erst richtig los. Ich habe Screenshots aus Gruppen, in denen der Verleger, ohne meinen Namen zu nennen, Lügen über mich verbreitete (z.B., dass ich 30% des Bruttoverkaufspreises eines jeden Werks haben wolle was ich nachweislich niemals gefordert hatte), verriet, was ich privat für ein Einkommen habe, wie schlecht sich mein Buch verkaufe, dass er mich nur aus Freundschaft verlegt hätte und ich sowieso nie wieder ein Werk veröffentlichen würde, so schlecht, wie ich mich verkaufe und so mies, wie ich arbeite.
In einer privaten E-Mail bekam ich dann noch mitgeteilt, dass alle Verlage jetzt wegen mir auf den verdi-Standardvertrag umstellen würden, weil er alle seine Kollegen vor Autoren, die so handeln wie ich, gewarnt hätte und die sich schützen müssen. [Huch, was habe ich für eine Macht, he? Also, kriegt ihr den Standardvertrag von irgendwem angeboten, ist es sicherlich mein Vergehen ;).] Und dass ich garantiert nie wieder einen Fuß mit meinem Namen in der Branche fasse.
Tat das weh zu lesen? Ja.
Ist da was Wahres dran? Nee, eher nicht.
Schrieb er das nur, um seinen Frust loszuwerden und mich zu treffen? Aber hallo! Er kannte meine Druckpunkte und war sich nicht fein genug, sie nicht zu drücken.
Über nachfolgendes darf ich vertraglich nicht sprechen und auch wenn ich mehrfach hintergangen wurde, halte ich mich an meinen Vertrag. Nur so viel: Ich hab meine Rechte zurück. Das war mir wichtiger, als Recht zu haben und das alles noch hinauszuzögern.
Ist mein Ruf geschädigt? Ja.
Höre ich jetzt auf zu schreiben? Nö. Da kann ich auch aufhören zu atmen.
Wie ging es weiter? Naja, Verlag „Beta“ kennt ihr ja aus dem vorangegangen Artikel bereits. Die Odyssee ging also noch ein bisschen.
Fazit?
Freundschaften mit Arbeitsbeziehungen können echt toll sein. Ich hab zwei Verlegerinnen, mit denen ich mich prima verstehe, die mich immer respektvoll behandeln und denen ich wegen keiner einzigen Zahlung hinterherlaufen musste. Die unglaublich clever sind und zu denen ich nicht nur arbeitstechnisch eine super Beziehung laufen habe, sondern mit denen ich mich auch privat austausche (oder austauschte).
Doch es gibt eben auch die andere Seite der Medaille. In dem Fall sind Freundschaft und Arbeit verschwommen. Schaffte ich etwas arbeitstechnisch nicht, wurde es persönlich auf die Freundschaftsebene gebrochen und sehr unangenehme Gefühle tauchten dann auf.
Ich vermische Freundschaft und Arbeit nicht mehr. Die Grenzen sind nämlich fließend. Arbeit und Freundschaft kann super sein, aber ich schränke es ein. Ich kenne meine Grenzen und kommuniziere sie. Ich trete für mich ein, bleibe dem anderen aber respektvoll gegenüber. Ich denke, dann kann es nebeneinander herlaufen und funktionieren. Doch eines vergesse ich bei alldem bestimmt nie wieder: Mich. Und meinen Wert.